KULTUR

17.11.2019 · 15:00 Uhr | Vortrag

Prof. Dr. Klaus Grewe
Technologietransfer – was von römischer Ingenieurkunst geblieben ist

Limeskastell Pohl
Kirchstraße
56357 Pohl
basilica

Klaus Grewe ist renommierter Wissenschaftler an der RWTH Aachen. Neben seinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist er bestrebt, Wissenschaftsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen und bekannt für seine interessanten wie unterhaltsamen Vorträge.

Eine der spannenden Fragen der Technikgeschichte ist die nach dem Transfer technischen Wissens aus der Antike über das Mittelalter bis in unsere Zeit. An ausgesuchten Beispielen wird sichtbar, dass es im frühen Mittelalter sehr wohl Wege und Möglichkeiten gab, technisches Wissen zu erhalten. In den frühen Kirchen und Klöstern – später in den Burgen – sind gerade auf dem Gebiet der Wasserversorgung Lösungen erkennbar, die einen Anschluss an die technischen Leistungen der Antike belegen. In vielen Beispielen lässt sich der »rote Faden« erkennen, der diesen Weg des Techniktransfers sichtbar macht.

Besonders deutlich wird das am Beispiel der frühchristlichen Kirchen, in denen an besonderen Festtagen die Taufe vollzogen wurde. Da man nach frühchristlichem Ritus in fließendem Wasser taufte, musste in den Taufkirchen die entsprechende Technik der Wasserversorgung vorhanden sein. Da nimmt es nicht wunder, dass manche Taufbecken in den spätantiken und frühmittelalterlichen Kirchen an bestehende römische Wasserleitungen angeschlossen waren. Die Wasserversorgung antiker öffentlicher Brunnen oder auch von Villae rusticae wurde umgewidmet und diente fortan der Submersionstaufe. Beispiele dafür finden sich nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und Deutschland.

Neben dieser mehr pragmatischen Lösung der Wasserversorgung im kleinen Maßstab, lässt sich durchaus auch Wissenstransfer im Bereich größerer mittelalterlicher Ingenieurbauten wiederfinden. Es sei nur auf die großartigen Leistungen der mittelalterlichen Mönche für ihre Klöster hingewiesen. Auch die Anstrengungen beim Ausbau von Wasserversorgungen in den Burgen des Mittelalters zeigen in einigen Fällen hochtechnische Lösungen.

In diesen Leistungen wird oftmals ein Maß an Pragmatismus, aber durchaus auch an Genialität sichtbar, das man für die nachrömische Zeit nicht unbedingt vermuten würde. Es lässt sich erkennen, dass auch diese technischen Lösungen römische Wurzeln haben, denn es wird in ihnen vielerorts durch Vitruv vermitteltes antikes Wissens sichtbar.

Literaturtipps

  • Grewe, K., Wasserversorgung und -entsorgung im Mittelalter. Ein technikgeschichtlicher Überblick. In: Frontinus-Gesellschaft (Hrsg.), Die Wasserversorgung im Mittelalter, Geschichte der Wasserversorgung Bd. 4 (Mainz 1991) 11-86.
  • Grewe, K., Technologie-Transfer von der Antike in das Mittelalter am Beispiel der Wasserversorgung. in: Bruun, C.; Saastamoinen, A. (Hrsg.) Technology, Ideology, Water: From Frontinus to the Renaissance and Beyond. Acta Instituti Romani Finlandiae 31, 2003, 171-192.
  • Grewe, K., Aquädukte – Wasser für Roms Städte (Rheinbach 2014)

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