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Ausschnitt der Trajansäule in Rom

3D-Modell des Turms

Vorbild und Nachbau: Darstellung auf der Trajansäule in Rom und Planung der Rekonstruktion in Pohl

Rekonstruktionsskizze

Illustration eines Kleinkastells

Das obere Bild zeigt eine idealtypische Skizze eines Erdkastells, wie es in Pohl vermutet wird. Die untere Illustration stammt von Heike Wolf von Goddenthow und lehnt sich eng an die Planungen der Rekonstruktion des Limeskastells in Pohl an.

Historische Einordnung

Die Errichtung eines rekonstruierten Kleinkastelles samt Wachtturm in Pohl ist eine der herausragenden Visualisierungsmaßnahmen am rheinland-pfälzischen Abschnitt des UNESCO-Welterbes „Obergermanisch-raetischer Limes“.

Authentizität

Der vollständige Nachbau der militärischen Anlagen wird nach den Grabungserkenntnissen der Reichslimeskommission vor Ort und als Umsetzung aktueller Forschungen zur Limesarchitektur an anderen Orten des obergermanisch-raetischen Limes und weiterer Limeslinien des römischen Reiches sowie unter Heranziehung literarischer, epigraphischer und bildlicher Quellen ausgeführt.

Wissenschaftliche Betreuung

Die fachwissenschaftliche Beratung erfolgt durch Dr. Jens Dolata, einen auf dem Gebiet der Limesforschung, Architekturgeschichte und archäologischen Bauforschung spezialisierten Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Die fachliche Gesamtleitung und Verantwortung trägt der Landesarchäologe Dr. Gerd Rupprecht. Die Planungen für Gesamtanlage, Baukonstruktion und Baudetails spiegeln den aktuellen archäologischen Forschungsstand wider. Die Bauausführung wird detailliert durch wissenschaftliche und populäre Veröffentlichungen von archäologischer Seite begründet und begleitet.

Entwicklung über Jahrhunderte

Die Bauten des obergermanischen Limes sind auf den 75 Kilometern, die auf das Land Rheinland-Pfalz entfallen, nicht alle gleichzeitig und an jedem Orte in selber Manier entstanden. Der Limes ist nicht aus einem Guß, sondern in den Jahren seines Bestehens (ca. 85 – ca. 259/260 n. Chr.) einer dynamischen Entwicklung unterworfen. Am Anfang wurden sogenannte Holz-Erde-Werke, baukonstruktiv fast ganz ohne Verwendung von Steinen und Ziegeln, errichtet. Das Kleinkastell Pohl ist eine solche frühe Anlage, die hypothetisch am Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr., vielleicht unter Kaiser Trajan, konzipiert und ausgeführt wurde. Auch der fortifikatorisch eigenständige Holzturm würde in diese Errichtungszeit fallen. Mit eigenen Annäherungshindernissen (Graben und Palisade) ausgestattet, wäre er in seiner Funktion als Überwachungs- und Signalturm direkt an der Limeslinie (Schneise mit Weg und Palisade, später mit Wall und Graben) errichtet gewesen.

Schlüssiges Präsentationskonzept

Das Präsentationskonzept führt die beiden Einheiten als Erlebnisraum zusammen. Die Anlagen von Pohl werden etwa zwei Generationen später von Steinkastellen wie dem benachbarten Holzhausen ergänzt und abgelöst. Am südöstlichen Ende des rheinlandpfälzischen Limesabschnittes entsteht also ein facettenreicher und die ganze Genese des obergermanischen Limes beschreibender Erlebnisort, der die römische Epoche der Landesgeschichte spannend vermitteln wird. Die Authentizität des Welterbes kann dabei in ganz unterschiedlicher Weise erfahren werden.

Attraktiver Beginn

Am rheinland-pfälzischen Limes-Entrée, die Bäderstraße von Hessen aus kommend, wird künftig alles geboten: Es gibt vorzüglich erhaltene Wall- und Grabenabschnitte neben dem verzaubert im Wald eingebetteten romantischen Ruinenfeld des Kastells Holzhausen. Beim ersten Kreisverkehr, der auf den Limes-Wanderparkplatz für den Rundweg zum Kastell führt, ist eine selbstvermittelnde Limes-Inszenierung geplant und im vollständig rekonstruierten Kleinkastell Pohl kann ein eingängiges Lebensbild vom Limes besichtigt werden. Mit dieser breitgefächerten Erlebnisvielfalt beginnt die Limesbereisung in Rheinland-Pfalz über die Deutsche Limesstraße auf der Trasse der Bäderstraße (B260).

DR. JENS DOLATA
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie