
Ein fast rechtwinkliger Knick im Limesverlauf bot den Römern Gelegenheit, die alten, von Kelten angelegten Handelswege (im Volksmund »Hohl« und »Alt Straß« genannt) zu überwachen. Letzterer wurde später von Napoleon überbaut und ist weitgehend mit der heutigen Bäderstraße (B260) identisch.

Pohl leitet seinen Namen unmittelbar vom Limes, vom »Pfahlgraben«, ab. Sein Ortswappen erinnert ebenfalls an den Limes – der Löwe steht für die Herrschaftshäuser von Nassau, Katzenelnbogen und Hessen.
Ernst Fabricius
Prof. Ernst Fabricius ist sicherlich der »Entdecker« des Pohler Limeskastells. Er ging wie kein anderer den Spuren der römischen Geschichte in unserer Heimat nach und hat sie vielfältig dokumentiert und wissenschaftlich aufbereitet.
Über ein ein Jahrhundert ist vergangen, seit Ernst Fabricius mit zahlreichen Helfern in Pohl seine Gräben gezogen, den Boden untersucht und Turmfundamente vermessen hat – in jenem kleinen Dorf also, dessen Name ganz unmittelbar vom Limes, vom »Pfahlgraben«, herrührt.
Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten die selbständigen Limes-Anrainerstaaten Baden, Württemberg, Bayern, Hessen und Nassau bzw. Preußen bei der Erfoschung der römischen Grenzanlage mit bescheidenen Mitteln eher nebeneinander als miteinander. Vereinzelt gründeten sich in den deutschen Ländern Interessenvereine und Kommissionen, denen aber mehr begüterte und interessierte Aristokraten oder mit der Landschaft vertraute ehemalige Offiziere als kompetente Wissenschaftler angehörten. Mit der Gründung des Deutschen Reiches (1871) verbesserten sich die Rahmenbedingungen, und die Bemühungen von Theodor Mommsen und Karl Zangemeister führten letztlich zu einem Reichstagsgesetz, das am 16. Januar 1892 die gemeinsame Reichslimeskommission ins Leben rief.
Auf fünf Jahre sollte die Arbeit befristet werden, aber mit jedem Spatenstich wurde deutlicher, dass Zeit und Geld nicht ausreichen und am Ende fast mehr Fragen offen als beantwortet sein würden. Was die Streckenkommissare bei ihren Ausgrabungen und Forschungsarbeiten bislang herausgefunden und oft nur unvollständig notiert hatten, übergab man nun, am 1. Juni 1898, zur Aufarbeitung und zu eventuellen Nachforschungen einem neuen Verantwortlichen: Ernst Fabricius, Professor für Alte Geschichte an der Universität Freiburg.
Es war zweifellos die überragende Persönlichkeit von Ernst Fabricius, die das Gesamtwerk der Reichslimeskommission rettete. Alter und Tod lichteten bald die Reihen der Verantwortlichen, die einst das Werk begonnen hatten, unfertig hinterlassene Arbeiten und offene Fragen verhinderten abschließende Beurteilungen, immer wieder fehlten die finanziellen Mittel zur Fortführung des Projekts.
Ernst Fabricius führte konkret hier in Pohl die Grabungen und Untersuchungen durch. Noch völlig unklar war zu diesem Zeitpunkt die Existenz eines Limeskastells in Pohl, von dem man immer nur angenommen hatte, dass es hier existiert haben müsse. Die Grabungsergebnisse gaben aber keine eindeutigen Hinweise. Auch hier ist es Ernst Fabricius, der 1902 auch den Gesamtvorsitz im geschäftsführenden Ausschuss der Reichslimeskommission übernommen hatte, zu verdanken, dass neuerliche Grabungen 1903 durchgeführt wurden, um mehr Klarheit am Limes in Pohl zu erreichen.
Immerhin führten diese Bemühungen im August und September 1903 zum Nachweis eines Kleinkastells und einiger Gebäudespuren im Umfeld. Die Zusammenführung aller Untersuchungen und Arbeitsergebnisse in einem großen Werk aber ließ noch lange auf sich warten. Für Ernst Fabricius wurde es ein Lebenswerk. Noch im Alter von 80 Jahren arbeitete er daran, und 40 Jahre nach seinem Eintritt in die Reichslimeskommission gelang ihm 1937 der Abschluss des 14bändigen Standardwerks „Der obergermanisch-raetische Limes des Römerreiches“. Bis heute ist dies ein in seiner Länge, Genauigkeit und Ergiebigkeit einmaliges Grundlagenwerk für jeden, der sich mit der römischen Geschichte auf deutschem Boden beschäftigt. Hier ist auch die Einteilung des Limes vom Rhein bis zur Donau in 15 Strecken dokumentiert. Innerhalb der Strecken wurden die Wachtürme durchnummeriert (z.B. 2/25).
Hoch angesehen in seiner Heimatstadt und nicht nur von der Fachwelt als einer ihrer Großen gewürdigt, verstarb Ernst Fabricius im 85. Lebensjahr am 22. März 1942 in Freiburg.
Für Pohl, das wie kaum ein anderes Dorf seine Anfänge am Limes festmachen kann, sind die Aufzeichnungen von Ernst Fabricius natürlich von ganz besonderer Bedeutung. Viele seiner wissenschaftlichen Nachfahren sahen es deshalb gerne, dass man in Pohl nach einer Möglichkeit suchte, seinen Namen wieder populär zu machen und die Erinnerung an ihn lebendig zu erhalten. Im Jubiläumsjahr 1997 wurde deshalb im gerade angelegten Pohler Neubaugebiet „Im Oberfeld“ die neue Straße nach Professor Ernst Fabricius benannt.
Auch im weltweit einzigartigen Pohler Limes-Kleinkastell, mit dessen wissenschaftlich begleitetem Bau 2009 begonnen wurde und zu dem auch ein Limes-Informationszentrum des Landes Rheinland-Pfalz gehören wird, soll sein Name und sein Werk präsent sein. In der kleinen Gemeinde kümmert sich seit 2007 ein Freundeskreis darum.
ALBERT PERABO